Bischof kehrt am Buß- und Bettag in die Gemeinde ein

Die Gesichter der 36 Gottesdienstteilnehmer, die sich am Abend des Buß- und Bettages im Gotteshaus in Brake versammelt hatten, verwandelten sich in Staunen und Verwunderung, als sie die Brüder sahen, die nach vorne zum Altar schritten. Unser Bischof Beutz war es nämlich, der dem Hirten Elzener aus Nordenham, unserem Vorsteher Evangelist Harre und den weiteren drei priesterlichen Ämtern der Gemeinde Brake voran zum Altar schritt. Es gab vermutlich keine Seele, die sich hierüber nicht freute.

Die Herzen der Geschwister schlugen dem Bischof in der Vorfreude auf das, was da kommen mochte, entgegen. Der Bischof diente uns mit dem Bibelwort aus Lukas 15,10:

So, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes

über einen Sünder, der Buße tut.

Die „Freude über den bußfertigen Sünder“ war das Thema des Gottesdienstes und genau diese Freude legte uns der himmlische Vater durch die Gabe des Bischofs in unsere Herzen hinein. Er sprach von dem Ausdruck, den der Bezirksapostel der Jugend beim Hamburger Jugendtag entgegengebracht hatte:

Du bist ein Wunschkind Gottes.

Er hat dich so geschaffen wie du bist.

Du wirst von ihm geliebt.

Durch wunderbare Art und Weise berührte dieser eine Gedanke alle Anwesenden. Ob der kleinste Gottesdienstbesucher im Alter von sieben Jahren, die anwesenden Jugendlichen, die etwas älteren Junggebliebenen oder die zehnmal so alten Senioren - sie wurden alle mit dieser Liebesäußerung angesprochen und zu einer Gemeinde zusammengeschlossen.

Der Gottesdienst hatte sich bis hier hin schon gelohnt. Es folgten aber noch manch weitere und besonders tiefgehende Gedanken durch den heiligen Geist aus dem Mund des Bischofs, die in Form einer Aufzählung den Rahmen sprengen würden. Zwei Gedanken haben den Schreiber aber sehr begleitet:

Im Mitdienen schloss der Hirte Elzener uns ein Bild aus der Kinderwelt auf. Er berichtete, dass ein Kind etwas ausgefressen hatte. Es spürte, dass die Mutter davon Wind bekommen hatte, denn sie stellte diesbezüglich einige Fragen. Das Kind ging hin zu seiner Mutter und sagte: „Es tut mir Leid Mama, was ich getan hab. Verzeih mir bitte!“ Daraufhin antwortete die Mutter: „Kind, erzähl, was hast du falsch gemacht!“ Dann konnte keine Träne mehr zurückgehalten werden und es floss aus dem Kind nur so heraus, nämlich die Beschreibung was genau das Fehlverhalten des Kindes war.

An dieser Begebenheit kann man nachvollziehen, dass es leichter ist, „es tut mir Leid, verzeih mir“ zu sagen, als genau zu benenn, gewissermaßen zu beichten, was genau schlecht gelaufen ist. Genau diese Einstellung stellt ein reuiges und bußfertiges Herz dar.

Durch den Gottesdienst wurde allerdings auch laut, dass unser lieber Vater im Himmel uns dafür niemals ausschimpfen wird, sondern uns vergeben und trösten und Kraft geben wird, wenn wir die Einstellung wie dieses Kind haben.

Ein zweiter Gedanke prägte den Gottesdienst, welcher der Betgedanke war. Hierzu zitierte Bischof Beutz seinen „Amtsvorgänger“, unseren uns in lieber Erinnerung bleibenden Bischof Warfsmann: „Wenn ihr für Bruder oder Schwester betet, dann betet so, als würdet ihr selbst das Kreuz des- oder derjenigen tragen, für den oder die ihr betet.“

Ein weiser Gedanke, den jeder in sein Gebetsleben mit einbringen kann.

Dieser Gedanke war zugleich Anleitung für das, was der Bischof der Gemeinde Brake nach dem Gottesdiensterleben mitteilen musste.

Aufgrund der gesundheitlichen Beeinträchtigung unseres Vorstehers ist er bis zum Ende dieses Jahres krankgeschrieben und wird daher alle kirchlichen Aufgaben bis dahin ruhen lassen. Er soll die hoffentlich stille Adventszeit dafür nutzen, dass er sich erholen kann. Er wird die Gottesdienste daher hauptsächlich in seiner Heimatgemeinde Rastede besuchen und somit Kräfte zur Genesung ziehen können.

Für alle vorsteherlichen Aufgaben ist daher Priester Stöcker beauftragt worden, diese in Vertretung für den Vorsteher zu übernehmen. Auf diesen Schritt wurden die Amtsträger einen Tag zuvor, am Dienstag in der Ämterstunde in Brake, im Beisein des Apostels Krause informiert. Der Besuch des Apostels im Brüderkreis und der Dienst des Bischofs am darauffolgenden Tag sollten dem Vorsteher und seinen anvertrauten Brüdern und Geschwistern Kraft geben.

Die praktische Anweisung zur Fürbitte („Wenn ihr für Bruder oder Schwester betet, dann betet so, als würdet ihr selbst dieses Kreuz tragen.“) wollen wir gerne zu Herzen nehmen und für unseren Vorsteher im Gebet eintreten.

Wir wissen, dass auch Schwestern und Brüder unter uns sind, die ähnlich schwer krank sind. Sie können das Haus nicht mehr verlassen oder müssen den Weg zu einer Kur auf sich nehmen. Und wenn wir ein offenes Herz für jedermann haben, dann erkennen wir noch viele weitere Sorgen und Probleme in der Schule, auf dem Arbeitsplatz oder der Suche danach, im Familiären, in der Trauer oder in der Einsamkeit.

Wir wollen für alle beten, als wären wir selber betroffen!

(Text: M. Bühnemann, Foto: U. Harre)

Kann ein einziges Gebet

einer gläub'gen Seele

wenn's zum Throne Gottes geht,

seines Zwecks nicht fehlen:

was wird's tun,

wenn sie nun

alle vor ihn treten

und zusammen beten?

(Christoph Karl Ludwig von Pfeil, Gesangbuch Nr. 106)